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Codecheck - ein Desaster erster Güte

Codecheck – Idee gut, Umsetzung glatt sechs (Minus)

Wer kennt sie nicht oder hat nicht schon von ihr gehört – der mobilen App Codecheck, mit der man während des Einkaufs oder online „Produkte checken und gesund einkaufen“ können soll.

Selten wurde eine Idee dermaßen monetarisiert und praktisch in ihr Gegenteil verkehrt. Ökotest – selbst nicht ganz astrein – lehnt seit Jahren jegliche Zusammenarbeit mit Codecheck ab und nennt die App in einer Pressemitteilung von 2016 „Appsurd“. Codecheck berufe sich in Teilen seiner Bewertungen bis heute auf Heinz Knieriemen,  Fachbuchautor und Mitarbeiter der Zeitschrift Natürlich, der allerdings bereits 2014 verstarb. Trotzdem erklärte Codecheck auf Nachfrage der Rheinische Post Mediengruppe: „Seine Expertisen sind immer noch aktuell“ – was anhand Tausender seither durchgeführter neuer wissenschaftlicher Studien und Tests wirklich nur absurd genannt werden kann. 

Codecheck lässt die Nutzer für sich Daten sammeln, die dann publiziert und hernach anscheinend niemals wieder aktualisiert werden. Nicht nur, dass die Nutzer der App auf diese Weise ihre eigenen Daten preisgeben, sie liefern nicht verifizierte Daten zu Inhaltsstoffen (von den Etiketten der Verpackungen, also reine Herstellerangaben!) und laden Bilder hoch, die teilweise von fremden Quellen stammen und das Urheberrecht verletzen. Inhaltsstoffe, die von den Herstellern nicht deklariert wurden, tauchen bei Codecheck folglich gar nicht erst auf. Was kann man als Verbraucher mit solchen Angaben anfangen?

Ein Beispiel, das uns bei Wolkenseifen direkt betrifft und für Verärgerung bei unseren Kunden sorgt, ist das EU-weite Verbot von Lilial (Butylphenyl-Methylpropional), das in diesem Jahr in Kraft getreten ist.

Über Jahre hinweg, der problematische Inhaltsstoff war längst als solcher identifiziert und die EU hielt ihn nicht mehr für sicher, wurde Lilial von Codecheck einfach "nicht bewertet". Bei Codecheck konnten Lilial-haltige Produkte uneingeschränkt im grünen Bereich liegen. Tatsächlich jedoch gefährdet das nach Maiglöckchen duftende Lilial die Fortpflanzung.

Mit der Nase auf diesen Befund gestoßen, hat Codecheck in der jüngeren Vergangenheit offensichtlich Tausende kosmetische Produkte neu „bewertet“ und wegen der Verwendung von Lilial herabgestuft. So weit, so gut.

Allerdings haben die Hersteller ihre Rezepturen schon vor dem Verbot von Lilial geändert, und wirklich niemand verwendet heute noch Lilial (außer vielleicht Kosmetik-Drückern in Popup-Ständen, die billigste türkische Kopien zu Wucherpreisen vertreiben und nach ein paar Tagen – vor dem Eintreffen der Behörden – wieder verschwunden sind). Doch wie leider nicht anders zu erwarten, hat Codecheck auch diese Tatsache „verschlafen“. Bis heute werden Produkte herabgestuft, weil sie angeblich Lilial enthalten – sogar Produkte, die seit Jahren nicht mehr im Handel erhältlich sind.

Wolkenseifen verwendet in seinen Produkten schon lange kein Lilial mehr. Diesbezügliche Bewertungen bei Codecheck sind irreführend und rundweg rufschädigend.
Edit 06.01.22: 
Aufgrund unseres Artikels hat Codecheck sich bei uns gemeldet und mitgeteilt, dass nun alle Artikel, die diesen Stoff noch enthalten, mit "nicht mehr am Markt erhältlich" markiert wurden. Codecheck reagiert also 10 Monate nach dem Verbot dieses Stoffes und das augenscheinlich nur, weil die Problematik thematisiert wurde.  Das bedeutet, dass alle Produkte nun von den Usern neu eingegeben werden müssen. Zielführend wäre es gewesen, die Daten zu korrigieren, statt sie zu löschen. Leider wurden somit Produkte als nicht mehr verfügbar markiert, die natürlich durchaus noch am Markt erhältlich sind. Nur eben mit einer Anpassung, die der veränderten Gesetzeslage geschuldet ist. Laut Codecheck ist also z.B. das Wolkenseifen Haarspitzenöl nicht mehr am Markt erhältlich. Diese Darstellung ist falsch.

Ausgesprochen Leid können einem Leute tun, die allein aufgrund der Angaben in dieser App fast all ihre alten Kosmetika und Reinigungsprodukte entsorgt und durch von Codecheck empfohlene Alternativen ersetzt haben. Welch eine leichtgläubige und ahnungslose Verschwendung von Geld und Ressourcen!
Edit 02.01.22:
In der ersten Blogartikel-Version wurde an dieser Stelle der Blogname eines Mami-Blogs genannt. Wir haben den Blognamen entfernt, da die Betreiberin des Blogs uns mitgeteilt hat, dass sie die App mittlerweile ebenfalls kritisch sieht und den Blogpost nach der Veröffentlichung unseres Artikels gelöscht hat. 

Die einzige Möglichkeit, sich fundiert zu informieren, besteht darin, selbst kritisch zu recherchieren und mehrere Quellen zu prüfen, anstatt in einer Blase stecken zu bleiben und nicht mehr über den Tellerrand zu schauen. Man darf sich nicht darauf verlassen, dass andere einem diese Arbeit abnehmen – selbst wenn sie Geld dafür nehmen.



 

Quellen:

 

ÖkoTest meldet: Appsurd – Codecheck Stellungnahme (patientenkompetenz.info)

[...Das Ergebnis sind teilweise gefährliche Desinformationen. Das zeigen verschiedene Beispiele, stellt ÖkoTest in seiner Pressemitteilung fest...]

Blindes Vertrauen: Wie Apps wie Codecheck & Co. unser Badezimmer filtern (bareminds.de)

[...Palmöl wird hierbei als rot eingestuft, weil die Gewinnung in der Regel unter  umweltunfreundlichen Bedingungen stattfindet. Es gibt jedoch Hersteller, die nachhaltiges Palmöl einsetzen, was die App wiederum nicht weiß und es trotzdem rot aufleuchten lässt ...]

Codecheck - Zweifelhafte App für Kosmetik-Check (Rp.online.de)

[... Trauen sollten Nutzer den Daten allerdings nicht, denn die Infos sind bis zu 16 Jahre alt.]

Ist Codecheck vertrauenswürdig? – Infos & Kritik (beautykosmos.de)

[...wer steckt dahinter? Immerhin werden hier explizit Kaufentscheidungen beeinflusst ...]

Wie transparent ist Codecheck? (taz.de)

[... ein Sprecher der Verbraucherzentrale Berlin sieht die App skeptisch. Er würde eher auf die Originalquellen wie Öko-Test oder BUND zurückgreifen ...]